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Es gilt, unsere Lebensprobleme zu lösen!
Zum Hasse, nicht zur Liebe bin ich
Es ist die Geburt der Dichtung:
Dichtung ist diese Ästhetische Affirmation.
Die Deviation ist die Abweichung von der normalen Sprache
Mehr Leiden
Weniger Gleichheit
Weniger Freude
Mehr Unwissenheit
Wer lebt ist bereits Tot.
Tot ist Not.
Nur der Lebende stirbt
Der Tote lebt ewig.
Ekelhaft ist die Geburt.
Dieses Leben ist der Gedanke
Das Abschaffen von Leben
Es Vernichtet und Befreit.

Alter: 59
 


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Arbeits und Lesetext (Veröffentlichungen brauchen eine Genehmigung des Autors)

Arbeits- + Lesetext: Machina oder Die Rettung

Von Manfred H. Freude

Es gilt, unsere Lebensprobleme zu lösen!
Zum Hasse, nicht zur Liebe bin ich
Es ist die Geburt der Dichtung:
Dichtung ist diese Ästhetische Affirmation.
Die Deviation ist die Abweichung von der normalen Sprache
Mehr Leiden
Weniger Gleichheit
Weniger Freude
Mehr Unwissenheit
Wer lebt ist bereits Tot.
Tot ist Not.
Nur der Lebende stirbt
Der Tote lebt ewig.
Ekelhaft ist die Geburt.
Dieses Leben ist der Gedanke
Das Abschaffen von Leben
Es Vernichtet und Befreit.

Sich selber verachten
Heißt Sterben lernen
Mehr Leiden
Ein besseres, schöneres Leben, ja vielleicht im Paradies
das bleibt unser Wunsch?
Wer hat uns dies nur eingeredet, dass wir uns dies
zu hoffen wünschen?
Seit unserer Geburt müssen nicht nur die
Gebärenden leiden,
nein, auch wir werden leidend geboren und
schreien zum Himmel.
Ja, sind wir nunmehr aller, ja jeder Arbeit los
das wir von allem werken, was klein ist und was groß
verlieren in dem großen Spiel,
was früher Schweiß und Fleiß
das heute uns genommen, was gestern noch Geheiß
wir sind doch alle eins und jeder ist für sich
das Brot wird schlecht verteilt, an einem leeren Tisch
und standen wir soeben noch Hand in Hand am Rand

So ist der Job geflogen, Veränderung in anderem Land
Tränen hart wie Wasser, es rollt das aufgeputzte Band
Weniger Gleichheit
Formen. Formen der Gedanken,
Formen der Sprache, Soziale
Plastik leben, formen, gestalten
Plastik evolutionärer Prozess

Weniger Freude
Unsere ganzen Freuden und alle Versprechungen.
Nein, wir leben nicht zum arbeiten, wir arbeiten
zum Leben.
Welcher Unsinn. Wir arbeiten immer! Alle!
Wir arbeiten und arbeiten, arbeiten an unserer Freiheit.
Unsere Freiheit heißt Arbeit.
Und ohne Arbeit benötigen wir alle Freiheit, eine
Arbeit zu erarbeiten.
Die Mühle, in der wir uns ständig drehen, heißt:
Weniger Freude.
Und diese wenige Freude erreichen wir nur ohne
Währung.
Alles Geld, das Wir uns erarbeiten um uns damit
Freude zu erkaufen
zerfließt in eine Erlebniswelt, die nur zur Existenz anderer aufgebaut wurde,
nicht zu unserem Vergnügen.

Mehr Unwissenheit
Warum reicht uns nicht das Lesen von Einweihungen,
warum wollen wir sie gleich besitzen, sammeln,
einreihen in unser Eigentum.
Reicht es uns nicht sie zu entziffern?
Was wollen wir noch wissen?
Was wollen wir noch wissen?
Alles? Wollen wir wirklich alle Dummheiten wissen?
Wissen das Ich nichts weiß? -
dieser weise Spruch ist der Gipfel
aller erreichbaren Erkenntnis.
Was alles haben wir unserem Wissen zu verdanken
und wie weit sind wir mit unserem Wissen gekommen.
Was haben wir erreicht mit kultiviertem Wissen.

18
Dem ewigen Lesen und Ungeheuerlicheren Wissen.
Sind wir mit unseren Sprachgebildeten nicht
wieder in die Höhle hinabgestiegen, und reden
nun den Angeketteten zu, wieder hinaufzusteigen
zum Licht.
Philosophen würden dem zustimmen vielleicht.
Der unschuldige Marx war überzeugt : der Einzelne
kommt nie zur Wahrheit.
Es kommt bessere Zeit und eine Besserung ist nur
über die Allgemeinheit zu schaffen.
Nietzsche hingegen glaubte wieder an den Einzelnen.
An den Übermenschen.
Und nun?
Wo sind wir angelangt?
Die Traurigkeit des Denkens und des Sprechens
Das Wichtige im Leben, das den Einzelnen ändert,
und ein wenig glücklicher macht ist die Reflexion.
Der Mensch der reflektiert verändert.
Aber wer reflektiert?
Viele sind mit dem Schönen zufrieden; die
meisten mit Wenigem

19
Wollen wir nicht weiter diskutieren und
reflektieren über Sprache und Gedanken zum Erhabenen.
Sei es in der Kunst reflektiert, sei es in einer der Wissenschaften.
Das Wesentliche im Leben des Menschen sind, die
Probleme der Nahrungsbeschaffung und der Wohnungsgestaltung.
Weiteres hat die Probleme des Menschen seit den
Höhlen bis zu den Wolkenkratzern nicht verändert.
Götter tauschen für neue Katastrophen.
Der alte Mensch veränderte nichts in allem
Sprechen und Schreiben.
>> Erkenne die Lage : Mensch <<
Die Lage bestehend aus vielen Schichten von
Geschichte und Geschichten.
Und dieses Erkennen.
Fragen wir uns von was?
Mehr Leiden
Weniger Gleichheit
Weniger Freude
Mehr Unwissenheit
Diese Lösung haben wir noch nicht durchgespielt.

20:
Wirklich, wirklich ich sage euch:
Ein Gedicht braucht weder wahr noch frei zu sein.
Dichten ist Vorstellen.
ICH bin es, der meine Vorstellungen denkt.
Denken und Sein ist Dichten.
Wesend ist das Dichten. Alles ist Dichten.
Unsere vermeintliche Freiheit ist relativ.
Das Gedicht aber ist nicht Relativ.
Es ist ebenso nicht NICHTS, es ist keineswegs Nihilismus.
Es sei informativ (Quantität),
darf aber auch sehr dunkel sein ( Modalität )
Das Gedicht ist ein verantwortungsloses Glück.
Es ist glückseliges Reden ohne Wahrheit, Ethik und Moral.
Wirklich, wirklich ich sage euch:
Ein Hund repräsentiert einen Hundehaufen.
Ein Hundehaufen repräsentiert keinen Hund.
Der Hundehaufen ist unaufhebbare Sinnlichkeit,
er ist mit den netten, angenehmen Vorstellungen
vom Hund inkompatibel.

21
Das ekelhafte des Hundehaufens lässt sich nicht
nachahmen.
Das Ich von dem ein Dichter schreibt, auch in
Biografien, Reiseberichten ist immer ein
stinkender Haufen.
Etwas von einem selbst aber doch abstoßend, fremd.
Deviant – Abweichung von der normalen Sprache.
Das seriöse Sprechen geschieht in allen Straßen,
Gassen und auf allen Plätzen.
Die Poesie aber, das schöne Sprechen, das ist in den
Vorzeigevierteln der Stadt zu Hause, in den Museen,
den eleganten Gartenanlagen zu Hause.
Der poetische Versuch diese Deviation zu überwinden
heißt:
Kotzt nicht so Ästhetisch!
Die Abweichung von der seriösen Sprache ist
innovativ, ist kreativ, ist poetisch.
Die alltägliche Sprache kann unethisch und
unmoralisch sein.
In der Sprache nur das Wahrheitsspiel

22
Verschiedene Sprachspiele als Teile einer Lebensform . –
Erlernen nicht durch erklären.
Verstöße gegen diese Modalität: bitte - Sei so klar
wie möglich
Deviant, sei im Sprechen deviant.
Der Zorn tritt auf, zornig schreit er:
Reich sein nur noch aus Furcht. Arm sein nur noch
aus Mitleid.
Dichter sein aus Erbarmen und Schaudern.
Es ist das Schauderndmachende und
erbarmungswürdige Geschehen gegen übliche und
gewöhnliche Erwartungen.
Alle und Alles ist schwach, drinnen wie draußen.
VORSPIEL Sprecher Erklärung:
Chor / Sprechgesang und Chor
Manchmal muss man töten
sich selbst und alles
jedes Wort zerbrechen
beginnen an der Ursache
dem Ausgang aus der Tragödie
vor Deus ex Machina

23
Manchmal muss man aus der Tragödie aussteigen
bevor sie zu Ende ist
noch vor dem Da Sein
dieser Geburt der Quelle
bleibt Erscheinung.
Nicht Sein und Glanz
Person Die Hoffnung / der Retter ruft die Leidenschaft:
im Sprechgesang:
Es gibt nichts ohne alle Leidenschaft die
in uns natürlich ohne alles fehlt
Es gibt nichts ohne diese Leidenschaften von Hass
und Zorn,
von Angst und Schuld und Liebe
Es gibt nichts was uns begeistert Schwärmen lässt
von Leidenschaften, von Idealen und Passionen
Es gibt nichts das wir nicht durchleben in
merkwürdiger Inspiration getrieben von Idealen
Ausrufer Zwischenrufer aus dem Publikum: Valerio
Haben wir noch Hoffnung?
Nur eine Generation?

24
Gestorben?
Gegenruf: Die Hoffnung / der Retter
Wirklich, wirklich ich sage euch:
Man lebt, man stirbt, man ist tot

Wir haben nur Angst, darum sprechen wir.
Wir wissen nichts, und was wir nicht wissen können,
erklären wir als erkannt.
Wir ignorieren das sokratische Nichtwissen.
Wir überleben im Nachdenken.
Die Fähigkeit des Menschen beruht nicht
auf der Fähigkeit: was kannst du wissen,
sondern auf der Fähigkeit: was kannst du vergessen.
Reich sein nur noch aus Furcht.
Arm sein nur noch aus Mitleid.
Dichter sein aus Erbarmen und Schaudern.

25
Es ist das Schauderndmachende und
erbarmungswürdige Geschehen
gegen übliche und gewöhnliche Erwartungen.
Alle und Alles ist schwach, drinnen wie draußen.
Du findest alle Farben in ihren Angesichtern
ihre Körper verhärtet im Schmerz
so rutschen ihre Mienen über Stacheldraht
folgte mein Blick jener Kugel die traf in diese Stirn
Du findest die Augen geblendet und gebrochen
unter dem Wasser die Pupille wog die Wellen
ich sah die großen Bäuche der Schiffe gefüllt
mit den Sklaven und den Edelsteinen der
Einsamkeiten
Du findest das ich euch nicht verstehe
Fühlt ihr mich seht ihr mich
meine Gefühle sind heute bei euch
Du findest ihre Herzen in Eingeweiden
in den Abfällen ihrer leblosen Körper
in ihren Leibern zum Platzen gefüllt mit Angst
und aus den Gehirnen floh ihre letzte Hoffnung

26
Du findest sie bewegungslos unter den Gestirnen
die stillstanden und sich bewegten
unter ihrer Sonne
in jedem Augenblick sich gleich, schöne Seele
Du findest ihre Leichen auf allen Straßen
in allen Häuser gingen die Untoten in schönsten
Kleidern
und faltigen Körpern
nur ihre Haare waren falsch wie ihre Gefühle
Du findest die Nacht und eine weitere Nacht hinzu
Immer, immer, immer Nacht und dem Dunkel
dunkel immer dunkel zusammen
immer und außen im Kampf
Du findest keine dieser Klingen scharf genug
dünne Scheiben zu schneiden
diese Blätter der Kritik an politischen Systemen
die im Auftrag Mächtiger gemacht
Ich fand keine Menschenrechte
in den leeren Worten der Mächtigen
und deren Augenaufschläge
die Spuren im Sand von ständigen Wellen zerstört

27
Du findest die Saat der Gewalt
aus den Kreisen der Golfspieler
von Hubschraubern in die Mengen
geworfene Granaten die verstümmelten
unkenntlich selbstzerstörend
Ich fresse die ganze Wut in mich hinein
und kotze auf alle Arschlöcher
bevor ich von krankhafter Leidenschaft
mich professionell behandeln lasse
Du findest die ganzen Seligen,
die seligen die Armen im Geiste
und du suchst immer noch das Himmelreich
das Versprochene
und du kratzt an der Türe und es wird nicht geöffnet
und
es wuchert im Leben nur so von Parasiten
Ausrufer Zwischenrufer aus dem Publikum: Valerio
Haben wir noch Hoffnung?
Nur eine Generation?
Gestorben?
Zum Hasse, nicht zur Liebe bin ich

28
Gegenruf: Die Hoffnung / der Retter
Wirklich, wirklich ich sage euch:
Man lebt, man stirbt, man ist tot:
Es ist nicht so erotisches
Es sind zu viele politisch über den Dächern
Es gibt kein Vergessen
Es waren Selbstmord zum Schutz

Die Menschen meiner Generation sind voller
Schuld und Angst
Plötzlich als Affen zu gelten oder sich in
Ungeziefer zu verwandeln
Ungebrochen in allen Gedanken und
Gedenken der Vermischung von Schmutz
verschiedener Qualitäten

29
manchmal -
ich weiß nicht warum die Sonne aufgeht
ich weiß nicht warum die Sonne untergeht
es wundert mich das es mal hell ist und mal dunkel
mir scheint gar nichts ist recht
manchmal muss man töten
sich selbst und alles: jedes Wort zerbrechen
beginnen an der Ursache dem Ausgang aus der
Tragödie
vor der Deus ex machina
manchmal muss man aus der Tragödie aussteigen
bevor sie zu Ende ist im Schatten
noch vor dem Da Sein dieser Geburt der Quelle
bleibt eine Erscheinung. Nicht Sein und Glanz
manchmal verzeiht mir kein Gott
unverständlich ist mir die Welt und der Tod
der täglich meine Zeit verkürzt
wird es Herbst
und der Schutt sucht sich das längst verdorrte Blatt
manchmal beginnt das Ende auf einem Feld
mit Furcht in einer Furche

30
mit einem Korn mit dem Biegen und Brechen des Regens
zerstört am Ende des Regenbogens
manchmal erkennst du den Wahnsinn
den ich manchmal als Irrealismus begreife
Welten die in Gehirnen erzeugt
von falschem Fleisch degeneriert
manchmal diese Todesmücke die jeden mordet unheilbar
resistent bis zum geht nicht mehr
und dann alle vor die Panzer spannen
und sie zieht Menschheit meilenweit
manchmal stellen sie aus in Gottes Staat
und über ihren Köpfen schwebt ein Heiligenschein
während sie ihre Hosen benässen vor Glück
Oder ist es ihre Angst – wir sind wieder wer
manchmal kannst du für Kunst oder deine Musik
keinen Euro kaufen nicht mal einen Cent
oh Freunde, nicht diese Töne
für euer Gerede kann ich nichts kaufen – alles ist wertlos

31
manchmal trinke ich Bier aus der Flasche
wenn es brodelt und kribbelt
klären sich alle Fragen nach Motivation
Metamorphosen wie Sex der richtig Spaß macht
manchmal vielleicht ging es uns noch gut wenn
wir täten wie die Gläubigen und
nicht wie alle Verbrecher wären
und nicht spießig oder sich lustig zeigen
manchmal vielleicht macht es noch Spaß
zu tun was vorgeschrieben und zu wiederholen
was getan sein muss wie Schimmelpilz an feuchter Wand
und ständig wiederkommt und geht nicht fort
was man auch tut
manchmal aber sind die Gläubigen wie Sporen
die im Lufthauch ziehen es gibt für den Glauben kein Land
oder Verbrecher im Haus der Himmel aber sieht alles
und wer glaubt wird bald wissen
manchmal denke ich warum denke ich

32
das ich denke bevor ich denke das wir
also du und ich waren wir nicht waren wir nicht
ein Volk von Dichtern und Denkern
manchmal ich stand hinter mir und sah
mich im Spiegel meiner Augen ( Dunkelheiten )
hörte mich die letzten Worte sprechen: geh zur Seite
manchmal bedenke ich aufzugeben
aber ich stehe weiter es macht soviel Spaß
egal was alle Frauen sagen etwa
man könnte nur im Sitzen pinkeln
manchmal am Alexanderplatz fährt
die Hochbahn vorbei oder
die Straßenbahn kommt und irrt vorbei
Halt oder nicht Halt überall es ist alles gleich
manchmal gingen sie auf die Hauptstraßen
manche sahen sie aus den Fenstern
Schließt euch an hinter den Fenstern
schwenkt den Blick ringsum
manchmal wenn es regnet
haben wir noch die Matrix die Filme zu sehen

33
Politiker außer Kontrolle
es gibt Regisseure die noch Wahrheiten verbreiten
manchmal wissen wir wenn es die Schädel zerreißt
das wir viel dümmer werden empirisch
wir lieben es öffnen uns gegenseitig die Schädeldecken
und pissen auf unsere Gehirne
manchmal waren wir in einer heilen Welt
die unter uns faul und morsch wurde
träge werden die Planken auf denen du trittst
schrei, wenn du kannst, schrei, es wird endlich Zeit
manchmal erleben wir so etwas wie Endzeit
wie das warten auf das Nichts
wenn man deine Bilder deportiert
warten wir auf ihre Rückkehr
manchmal krächze ich für mich alleine
auf diesem steifen Lied das klingt
als sei Pause im Orchestergraben
und nur die letzte Geige und Flöte spielt
manchmal vergesse ich bei den Worten

34
lasse sie fallen in den Orchesterflügel
und bespucke alle Aboinhaber
auf ihren festgebuchten Plätzen
manchmal wenn vom Minarett
der Priester ruft schreit es nach Krieg
Die Dummen Knaben laufen auf die Straße
und die Mädchen gebären
manchmal wenn sie sterben für Jungfrauen
wer kann da widerstehen
bei allen Stangen Dynamit
und einem harmlosen Kinobesuch
manchmal ist es ein Gott der ruft
An den Bushaltestellen den Nächsten
Halt beim Öffnen der Hirnschalen
zerfließt matschig die Masse
manchmal steigt er vom Kreuz und
er weiß genau alles was er sagt kann
gegen ihn verwandt werden
das wusste er denn der Prophet war sein Partner
manchmal fällt mir ein das seit vielen Jahren

35
keine Musik mehr gemacht wird
keine Musik mehr möglich ist
und dieses eine Lied das tötet, tödlich
manchmal weine ich bei diesen Tönen
bei den Geräuschen der Züge und dieses Regens
der Handys spielt mir noch einmal
das Lied vom Tod ins Ohr
manchmal sind wir verlassen von unseren Familien
vom Erbärmlichen Leben zum Sterben täglich
und alle Höllenqualen leibhaftig zu erleben
manchmal sind wir verblasst im Raumlosen
hoffnungslos in Krematorien
ganz verkachelt einschließlich vergammelter Mülltonnen
wer nun noch keinen Fahrschein hat löst keinen mehr
manchmal berichten die Quellen von allerlei Waren
von allerlei Vieh von unerträglichem Gestank
von entfesselten Gewalten der Natur unnatürlich
alles biologisch abbaubar energiereich luftverpestend
manchmal sind die Klippen messerscharf und

36
die Schwerter der Götter wie Blitze
die Zeugnisse ablegen historisch
manchmal ist es überraschend,
das Kinder nach der Schule
die Kreuzzüge wiederholen durch die Ämter und
Burgen Administrationen und Formularen unüberwindlich
wie reißende Bäche und Wasserfälle unbesiegbar
manchmal hörten sie die Pfeifen der Rattenfänger
auf göttlichen Befehl und den Predigten ins Meer
getrieben in Qualen und Leid
manchmal finde ich dass ich zu dir gehöre
das ich den Platz gefunden habe auf dieser Welt
das ich mit dir spazieren ging am Fluss mit deinem Leben
manchmal glaubtest du jeden anderen zu treffen
kanntest nicht dieses Appartement
das mit meinem Lebenswerk begann: Heute
manchmal wenn die Besten treten
unter die Geregelten die Ordentlichen

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die alles Richtigmachen
zerstören die Weisen und brechen unverdaut
manchmal treten die Armseligen den Armen
die Reichen verschleppt treten zu den Heiligen
reichlich reichen die Armen weinselig
Quält euch zum Leiden Geborene
Augen gebrochen Seelen gebrochen Rosengekrönte
bevor diese Stricke reißen werdet ihr hängen
ihr hört eure Schreie
Rosengekrönte seht eure Gesichter
Augen und Zungen hängen zu den Ohren hinaus
Nur eure Schöpfe eure Haare – seht ihr
zum Leiden Geborene Brüder, quält euch
manchmal fragst du wie es weitergehen soll und
du hörst eine Antwort, irgendwoher eine Theorie
aus einem geöffneten Tor durch die Kultur aber
nichts erkennst du, aus diesen Machwerken der Kunst

38
Haben wir noch Hoffnung?
Nur eine Generation?
Gestorben?


Die Angst sagt: alles ist die Unfähigkeit der Freude
Die Schuld sagt: wir müssen mehr Leiden
Der Hass meint: wir leben in immer mehr Unwissenheit
Der Zorn spricht: wir finden immer weniger Gleichheit

Es ist nicht so... leidenschaftliches
Es sind zu viele. Über den Dächern
Hass - kommt mir entgegen und jedem lauf ich hinterher;
diese toten Mäuler die mir entgegenkommen?
Draußen ist alles Tot wenn drinnen alles blüht.

39
In meinen inneren Städten halte ich den Frühling.
Was habe ich die Menschen geliebt und heute
kein gutes Wort
Nur in meinen Träumen werden aus Menschen
Blumen und aus Steinen Worte.
Kein Wort kommt mir entgegen. Jedem laufe
ich hinterher.
es ist nicht so das ich auf eine Entdeckungsreise ging
bin ich doch kein Liebhaber und ein Orgasmus ist
keine Kunst,
es ist einfach so: als wollte sie immer wieder
schwanger werden
es ist nicht so verzweifelnd wie Armut zwischen
Grauen und Leid
keine Vorstellung von Widerstand und Schweigen
es ist nicht das Geld oder die Macht. Sind nicht?
es ist nicht so dass ich es gerne sehe
wenn mein Gehirn so daliegt auf den kalten Fliesen
wenn ich mich selber erschieße –
kann mir nicht gefallen

40
es ist nicht so wie du uns seit langem vorspieltest
dieses Stück, dieses Drama kann ich nicht mehr hören
schrei noch einmal in den Raum von Angst, Schuld,
Hass und Zorn diesen Ekel vor deiner Geburt und
deinem Tod
es ist nicht so oder so
wenn ich sie berühre wie mit einem Anderen Menschen
der mir entgegentritt und
begegnet und spricht wie mit mir so bin ich wie du,
wie wir
es ist nicht so Heilig, heilig dieser neue Gott
den wir so lange schon erwartet
heilig, egal auch wenn er Hörner trüge oder
einen Pferdefuß, er könnte niemals schlimmer sein
Ihr aber die ihr noch lebt
Euch trifft mein Hass glühend.
Ihr lebt und wisst nicht mal
warum. Ich aber starb schon längst. Vor euch
mehrmals. In der Inskription
dieses Grabsteins.

41
Das Grab ist leer, das Tote lebt
Was aufstieg ist euch längst entflohen
Nur mit Namen, den ihr singt
schafft ihr das Gemeine
mit eurer Gemeinschaft
Es sind zu viele…... Über den Dächern
es sind zu viele die nicht mehr
in sich selbst zurückkehren, die keine Welt mehr
finden werden, die nichts in sich
fauliges Gedärm in sich, wo nichts
es sind zu viele wie du und du, die schweben
mit einem Schirm, schweben über den Dächern
die entfliehen, sich aus dem Staub machen,
nicht zu fassen,
nicht zu fassen, für alle die so gehofft haben, wie du
es sind zu viele, diese Eingeschlossenen Gedanken
Reflexionen hin und her unerkannt
Mit leeren Händen ausgereckt ergreifen wir Nichts
Das aus den Wolken fällt: seit langem Ausgeregnet
So nah ist Zukunft / Dir näher als das Du

42
Das du stolperst über das Neue das war
Das du fällst über das Erbrochene einer
Schlüsselblume
Und kein Schritt führt dich in die Gegenwart
In naher Zukunft bist du fort - unendlich fort
Von hier und jetzt und vom gleichen Ort
Die Zukunft ist nicht die Zukunft die du weißt
Die Zukunft ist die Abwesenheit und die
Anwesenheit:
gepaart.
Ausrufer Zwischenrufer aus dem Publikum: Valerio
Haben wir noch Hoffnung?
Nur eine Generation?
Gestorben?
Die Angst sagt: alles ist die Unfähigkeit der Freude
Die Schuld sagt: wir müssen mehr Leiden
Der Hass meint: wir leben in immer mehr Unwissenheit
Der Zorn spricht: wir finden immer weniger Gleichheit

43
Wir haben immer weniger Freude,
es gibt keine Hoffnung
Wo ist der Magier? Wo bleibt der Zauber
Nur Halluzination, Einsamkeit,
Langeweile, Selbstzerstörung und Dekadententum

44
Es waren ... Selbstmörder
Zorn der in hartem Boden wächst der dort liegt
und treibt und wurzelt
Von keinem Windhauch je berührt
Fühlt seine Erde fühlt nicht die Welt
Ein Baum der stets frische Blätter treibt, krallt sich
fest in zähem Lehm
Nur für sich, verhärtet und vergrämt im Boden, wenn
nach kräftigem Regenguss er beweint, wozu darauf
die Sonne scheint, dann tanzt ein Wind vorbei
es gibt Formen, Formen der Gedanken, Formen
der Sprache,
Soziale Plastik lebend formen und gestalten
Plastik als evolutionärer Prozess
es gibt weniger Gleichheit,
Du bist enttäuscht
Sie haben dich enttäuscht
Uns können sie nicht mehr täuschen
Ausbeutung von Begabteren wäre verträglicher
aber nicht von Hemmungsloseren oder Glücklicheren
Unsere ganzen Freuden und alle Versprechungen.

45
Nein, wir leben nicht zum arbeiten, wir arbeiten
zum Leben. Welcher Unsinn. Wir arbeiten immer!
Alle!
Wir arbeiten und arbeiten, arbeiten an unserer
Freiheit. Unsere Freiheit heißt Arbeit. Und ohne
Arbeit benötigen wir alle Freiheit eine Arbeit zu
erarbeiten.
es gibt die Mühle in der wir uns ständig drehen
Sie heißt: weniger Freude. Und diese wenige Freude
erreichen wir nur ohne Geld. Alles Geld das wir
uns erarbeiten um uns damit Freude zu erkaufen
zerfließt in eine Erlebniswelt die nur zur Existenz
Anderer aufgebaut wurde, nicht zu unserem
Vergnügen.
es gibt keine Freude, nein du bist Unfähig zur Freude
Du entsprichst mir, werde leer, nur im Namen
Eines kehrst du zurück, wie der zurückkehrte
nachdem er sich für uns festnageln ließ, nun
erschaffe du Welt mit meiner Schöpfung
es waren Wolken die schwebten in Ruh
Im Turm herrschte große Harmonie

46
vom unversöhnlichen ernüchtert
ruft die Krankheit zum Tod
Ziehts zum Eremitentum
wie unromantisch alles ist
es waren Einige; deine Waffen sind die Gedichte
ich habe keine Pump Gun
ich gehe nicht zurück in die Schulen zum Töten
ich schicke deine Gedichte in die Köpfe
die in die Schulen gehen wie Viren
empfehle das Lesen und schreiben von Gedichten die
stärker sind als Waffen
es waren deine Kinder auf den Dächern an den
Bildschirmen, in den Schulklassen, wollten sie nur
spielen mit ihren Gewehren nur die Geräte zeigen
und nur sprechen, nur so sprechen und sagen
ich war schon immer hier, aber ihr habt mich niemals
bemerkt
Du und ich, und nur wir Beide
Haben gelernt vom Reden und Schreiben
Mit unserer Sprache zu Zeichnen
Wir Beide Wissen von den Ansprüchen
Wenn wir den Mund öffnen
Können nicht: Nicht antworten

47
Wenn wir mit den Worten verwunden
Mit unseren Zungen züchtigen
Mit der infektiösen Rolle der Sprache
Wir verletzen die Ansprüche des Anderen
Wenn wir den Mund auftun
Und uns der Schrei der Opfer verfolgt
Rechtfertigen wir mit unserem Schreiben
Und begeben uns in Komplizenschaft
Wir trennen uns von den Barbaren
Wir trinken das Blut aus kleinen Kinderschuhen
Blond deine schönen kirschroten Zöpfe
Dein weißer Mund mit deinen gespaltenen Augen
Im schmutzigen Heilbad der blutenden Tränen
Du und ich, wir Beide wir haben gelernt
Haben gelernt vom Reden und Schreiben
Mit unserer Sprache zu zeichnen
Rohes Fleisch in den Abfallgruben voller Phantasien
Fließen durch die Fleischmaschinen jedes nackt für sich
Wie die Bilder die ohne Schildern still sind
Füllen sie weiter alle Geschmackskondome
Du und ich, wir beide wir haben gelernt
Haben gelernt vom Reden und Schreiben

48
Mit unserer Sprache zu zeichnen
Wir trinken das Blut aus kleinen Kinderschuhen
Bleiben deinen wahren Träumen treu
Nur die Schatten an den Decken wissen
Ist es die Sonne oder der Mond der hier entbindet
Wir beide wissen von den Ansprüchen
Wenn wir den Mund öffnen Können nicht: nicht antworten
Retten wir den brennenden Bankrott freiwillig
Lesen wir die Zeichen auf den sterbenden Körpern
Die wir ein Letztes Mal fertig schminken
So meine kleine Taube nun beachte den Falken
Wenn wir mit den Worten verwunden
Mit unseren Zungen züchtigen
Mit der infektiösen Rolle der Sprache
Wir trinken das Blut aus kleinen Kinderschuhen
Alle Bücher die darüber berichten verbrennen wir
Asche von unserer Asche düngt diese Welt
Feuerwerke verbrennen den Himmel
Wir verletzen die Ansprüche des Anderen nur
Wenn wir den Mund auftun
Und uns der Schrei des Opfers verfolgt
Falten wir die Bilder die unsere Iris erblickt
Nur die vergangene Zeit wird die Seiten schließen

49
Von Liebe schreiben wir einen neuen Band
Der sittlichen Begierden der Kulturmenschen
Dies alles zu rechtfertigen mit unserem Schreiben
Und begeben uns in Komplizenschaft
Es tritt auf die Person Die Gewalt
Der Chor im Sprechgesang:
Wir trennen uns von den Barbaren
Wir trennen uns von den Barbaren
Wir trennen uns von den Barbaren!
Wir die wir nicht sind die wir alle einmal waren
Wir die wir sind die wir immer waren
Wir die wir töten was uns tötet
Wir die wir verschweigen was uns tötet
Wir die wir töten was uns verschweigt
Wir die wir ohne Nachsicht und ohne Hinwenden
Wir die als Würger würgen aus unverdauter Gewalt
Wir kennen und wir erkennen uns im Angesicht
Wir fallen mit unserm Engel in die tiefsten Abgründe
Wir erwarten des kommenden Gottes
Wir schweigen um nichts zu Vergessen
Wir töten aus Angst vor dem Frieden
Wir verletzen die Ansprüche des Anderen

50
Wir trennen uns von den Teufeln
Wir trinken das Blut aus kleinen Kinderschuhen
Wir werfen zum Henker die Münze um Zahl oder Kopf
Wir sprechen täglich von Schuldig und Schuldig
Wir schreien den Schmerz aus den Bildern
Wir werfen die Schatten auf lose Blätter
Wir köpfen die Köpfe der Kahlen
Wir scheren die Schatten der Gerichteten
Wir vollenden die klugen Sätze
Wir tragen das Salz auf unseren Zungen
Wir brennen auf Platten all unser Vergessen all unser
Vergessenes
Wir kämpfen innen und außen
Wir atmen die faulige Luft
Wir verkaufen uns an die Meistbietenden
Wir zeigen uns in den Schaukästen
Wir urinieren weiter in die Finsternisse
Wir liegen in künstlichen Betten begraben
Wir verschenken unsere Uhren den Toten
Wir schreien im Sommer am Meer
Wir ersticken die noch schreien nach Leben mit
Worten
Wir legen die Gedärme in Gläser mit Spiritus
Wir fressen noch während wir reden
Wir beklagen die menschlichen Zeiten

51
Wir vergessen die althergebrachteren Zeitpunkte
Wir töten nun auch den Himmel über uns
Wir tragen Munition zu den Waffen in den Tüten der Kaufhäuser
Wir sammeln in Kirchen für Waffen des Friedens
Wir sammeln die Waffen in Kirchen des Friedens
Wir schließen als Taube die Ohren vor jeder Taubheit
Wir sparen das Geld für alles Sterben in Krippen
Wir teilen den Staat unter Armen die uns Reichen
Wir verletzen die Ansprüche der Anderen
Wir verletzen Ansprüche des Anderen
Wir leben in der Gewalt der Sprachen
Wir formen Gewalt zu Gewaltsamen zu Samen der Gewalt
Wir sind ausgesetzt unserer Haut die wir nie verlassen
Wir können uns des Leibes nicht befreien
Wir sind doch nicht alle Menschen Nein wir sind nicht alle Menschen
Wir verletzen uns durch unsere Zungen
Wir sagen Krieg und auch Folter und Gewalt für Alle und Jedes
Wir sind nicht verletzbar sind nicht verletzt
Wir erlernen Gewalt ohne Spuren zu hinterlassen

52
Wir sind alle Opfer und Täter immerzu alle gleich alle Mörder
Wir reißen das Wort wider Willen mit Gewalt aus uns aus
Wir tanzen und lachen sind fröhlich und künstlich und kotzen
Wir verfolgen noch immer die Sklaven bis in die Schiffe
Wir haben gelebt und geliebt ehe wir alle geboren
Wir hatten noch viel Zeit in meinen Augen in deinen Augen
Wir sind zum Sterben vermählt bis zuletzt vertraut
Wir kamen wie wir gegangen unsere Kleider hingen am Kreuz
Wir aber hingen bereits am Haken lagen in den Öfen
Wir alle waren immer da und ewig
Wir alle brauchen keinen Schierling und keinen Sprung vom Turm
Wir sind das Volk unter Kakerlaken: Wehrlos und Wahllos
Wir lieben die Gräber wie die Strände wie alles in Sand und Staub
Wir wissen nicht ob wir jemand vertrauen können nicht irgendeinen
Wir sind dein Gott dessen Haut ich alle nicht entkamt

53
Wir wissen nicht in welcher Sprache wir noch denken müssen
Wir wollen uns doch gegenseitig töten und beerben
Wir schärfen die Klingen die wie Gedichte klingen
Wir bleiben zu Hause wo Geschichten und der Kaffee besser
Wir schreien vor der Welt die so beschissen wie sie ist
Wir haben nur den Pfurz dazu mit vollgefressenen Bäuchen
Wir haben diese Welt doch selbst gewählt so wie sie ist
Wir aber die uns zu den Guten zählen sind uns genug
Wir brauchen nichts mehr als uns selber Bier und Wein
Wir wenn dann ab und zu die richtige Sonne scheint
Wir haben dann vom Leben mehr als das uns je erwartet
Wir tragen im Herz die alten Kämpfe
Wir dienen den alten Philistern
Wir schlagen mit Messern die gleichen Narben
Wir haben weniger Angst vor Gewalt als vor der Einsamkeit
Wir kommen nicht von den eigenen Alpträumen los
Wir kennen nicht den Sitz des Bösen

54
Wir können vor Intelligenz nicht mehr sprechen
Wir schrien uns alle aus einer Mutter
Wir husten uns alle in die bekannten Stellungen
Wir stecken uns an mit Biografien
Wir infizieren uns mit neuen Gedichten
Wir springen nackt von fahrenden Geisterzügen
Wir würgen uns selbst aus Bewusstsein zum Schein
Wir sind nicht die verletzten im Glauben
Wir tragen nicht die Male an unserem Körper
Wir verlassen mit unseren Gedanken alles Schöne
Wir sind nicht gerecht wir sind Mörder
Wir haben ein Recht auf Gewalt von Natur
Wir Verfolgen den Täter mit unseren Schreien
Wir stoppen durch Sprechen die Kriege
Wir können uns der Gewalt nicht verweigern
Wir verweigern die Sprache dem Leib
Wir stehen nackt auf Altären wenn wir frei wären
Wir sind nicht beherrschbar im Tod
Wir empfinden keine Gewalt – Wir sind alle schon Tot
Wir Treiben und Treiben und Treiben
Wir in schwammigem Felsengarten harter Gedanken

55
Wir in trägem Schleim, zähfließend der über die Stufen rinnt
Wir eilen von Kammer von Kammer zu Kammer
Wir in schwammigem Felsengarten harter Gedanken
Wir irren mit unseren Gedanken zum Licht
Wir stehen im Elend des Himmels
Wir zählen nicht in der Wissenschaft wir – Staunen
Wahnsinn, beginnender Wahnsinn mit Fußmarsch von Bordeaux
mit eingeschlossenen Gedanken in einem Turm in Nürtingen
Wir in schwammigem Felsengarten harter Gedanken
Der Andere: - kein Gedanke vor Schmerz
er erstickt am eigenen Kotz
Das Leben selbst, nicht der gedruckte Text
- wird uns zum Drama –
Wir in der Musik, im Klang nicht in den Noten
Vom Schönen unserer Gedanken geht das harte, das
Hässliche aus
und fürchtet ausgesaugt zu werden für das ewige Leben
Wir in schwammigem Felsengarten harter Gedanken
was aber alles irrt der Gedanke zum Licht
Wir irren mit unseren Gedanken zum Licht

56
Wir beide haben gelernt vom Reden und Schreiben
Wir zeichnen mit unserer Sprache
Wir öffnen den Mund und können nicht mehr reden
Wir verwunden mit unseren Zungen
Wir öffnen den Mund und schlucken die Schreie der Gefolterten
Wir Beide Wissen von den Ansprüchen
Wir verletzen die Ansprüche des Anderen
Wir trennen uns von den Barbaren
Wir trinken das Blut aus kleinen Kinderschuhen
Es reißt das Wort im Schmerz Dem Anderen
entsprochen
Zurück, dort wo der Mensch gebrochen
In seiner Haut so ausgesetzt dem Leib
Dem er verbunden, Jäh entleibt Befragt so mit Gewalt
zum Sprechen
Verschärft – VERNOMMEN – Bohrend
Die Antwort bleibt Nur Reine Form
Von seinem Körper schon entleibt
Hat er gesprochen, gegen seinen Willen
Entkommen wird er nicht der Haut – Und auch der
Tod wäre viel zu leer.
Der Welt dies Opfer: geht dies Opfer verloren
Entgegen seinem Willen sein Wort entrissen

57
Es wird erzwungen für seine Welt, Zurück,
wo Mensch, erst wird der Hilferuf
Erzittert Körperschrei die Kehle
Und ausgesetzt von Haut und Leib
Die Ohnmacht glaubt der Stimme nicht
Ein Schmerzensschrei dem Peiniger folgt
Der Schmerzensschrei entspringt dem Zeichen
Durchbricht die Ordnung und befreit,
Gibt Antwort bloßer Haut des Leibes
Lebendig seiner Welt beraubt - Und willenlos dem
Schmerz entrissen.

Es tritt auf die Bühne der Welt:
Ihre Imminenz der Impotenz ihrer Inkontinenz
Die Liebe und die Erotik
Nichts ist wie es ist
für Scherze ist das Leben nicht gemacht
Wer kennt die Liebe nicht?
Die Langeweile, die Selbstzerstörung, das
Spießertum, die Halluzination, die Einsamkeit, die Vereinsamung, der Glamour, Die Erotik, die Zärtlichkeit, die Brüderlichkeit,
Impotenz, Inkontinenz
alles Liebe und Erotik
Ihre Imminenz der Impotenz ihrer Inkontinenz
Es ist nicht so... erotisches
manchmal kümmert mich gar nichts
ich drücke zwei Finger bis zu dem Gräfenberg
und spüre das Feuchte
es ist als betätige ich einen Schalter
manchmal will ich nur sehen was passiert
warte auf Reflexe
nenne es Effekt
wenn ich das Werk in seinem Schoß lege und warte
was passiert
manchmal wenn du dich selber fickst
hebt sich die Decke
und der Himmel öffnet sich

59
für Gott, Pflicht und Vaterland und allen Arschlöchern
manchmal jagt man den einen Schwanz
und kennt keinen Unterschied
zwischen Stinkfinger und Präservativ
oder dem Licht am anderen Ufer des Flusses
Es ist nicht so das sie mit ihm spricht
und die Ampel zeigt grün
und er zieht sich aus und sie
zieht sich aus und die Ampel springt auf Rot
Schmetterlinge von haarigem Dreieck
Unter Frauenröcken flattern
Geschmacksneutral in
Interessenlosem Wohlgefallen
Waren es Raupen? Viele Zweifel
Ich und wir denken an Puppen
Diese Metharmorphosen
An den Orten
Topoi locus anemoenus
Meine Nase empfängt den Duft
Meine Zunge aktiviert Geschmacksnerven
Riechen, schmecken, hören
Wenn sich ihre bereiten Schenkel
Öffnen entweicht ihrer Vulva
Im hellsten Sopran ein Requiem.
Unter Frauenröcken flattern
Geschmacksneutral Flatulenzen in
Interessenlosem Wohlgefallen.
Waren es Raupen? Viele Zweifel
Ich und wir denken an Puppen
Es kommt mir so entgegen
wie diese Gerüche von Geil
und Eiter von Inkontinenz in den Hosen
das ganze Animalische einer schleichenden Krankheit
Körperliche Schwierigkeiten Harndränge aufzuhalten
oder unkontrolliertes Koten
Es ist weit in die Städte wenn man in Vororten wohnt
Wo es einmal Schön, wo immer die Sonne schien
und nun ist alles fern, die Ärzte, die Kirchen, die Krankenhäuser
Ich speise jeden Tag vom Krustentier!
Warum?
Sollte ich einmal Krebs abbekommen, weiß ich
ich habe es ihm heimgezahlt!
Ich übe immer an Gummipuppen

61
aber es gibt auch nicht mehr Möglichkeiten,
oben, unten hinten, vorne;
der Mensch ist begrenzt!
Nicht Schenkel öffnen sich
Nicht dringt die Sonne ins Dunkel
Nicht zwischen den Weiden die Liebe
Nicht fährt ein Fisch in den Schoß
Nicht weht der Wind in ein Haar
Die Liebe, Liebe, Liebe
Die Nacht vergeht oder kommt sie erst?
Was drängt uns der See?
Die Liebe im Sack zu ertränken?
Du siehst es nicht?
Ich heb den Rock!
Schau näher hin!
Die Erotik spricht die Liebe an es läuft ein Tonband aus
einer Schaufensterpuppe:
Liebe, Liebe, Liebe, was ist die Liebe?
Dicke Brüste, Brustwarzen und Onanieren
Warum Lieben?

62
Nur weil wir selber lieben können, Selbstliebe
aber das reicht nicht
Erektionen nur wenn es donnert und blitzt.
Wobei wir wieder bei Gottheiten wären!
(nicht bei Eros) bei Bakchos den er in seinem
Schenkel gebar
Wir werden nicht aus Liebe geboren, niemals!
Wir werden geboren als Futter für Gräber
Liebe ist nur ein Spiel zwischen Kacken und Pissen
Das ganze Leben nur Finger und Löcher
Irgendetwas zum Reinstecken in irgendetwas zum
Hineinstecken
Werden wir vom Pfeil getroffen spüren wir nur
Rheuma und Arthrose
Kein Apoll, kein Amor, es ist unser Griff nach der
täglichen Ration Tabletten
ein Blatt Papier und einen Stift nun mal schön, mal
dir Liebe
Liebe, Liebe, Liebe
ein Pfeil nur, nur ein Pfeil
verletzt was du nicht siehst
was in dir tot und unerweckt
und allen spricht es sang ein Lied und trägt der
Körper dich noch fort

63
Vergessen, kein Vergessen bleibt
und bluten alle Wunden
so tief verletzt nach innen drin
und von der Liebe längst schon tot
Was haben wir alles vergessen?
Ausrufer Zwischenrufer aus dem Publikum: Valerio
Haben wir noch Hoffnung?
Nur eine Generation?
Gestorben?
Die Angst sagt: alles ist die Unfähigkeit
der Freude, orgiastisch
Die Schuld sagt: wir müssen mehr Leiden
Der Hass meint: wir leben in immer mehr
Unwissenheit
Der Zorn spricht: wir finden immer
weniger Gleichheit

64
Die RETTUNG/HOFFNUNG
Freudvoll und Leidvoll
eine Handvoll
Mineral des Lebens.
Deiner Zelle Ingrediens.
Leer ist dein Glas.
Aber voller Spaß
Halbleer und halbvoll
Das es nicht überquoll.
Freud und Leid
das gleiche Kleid
Das Darunter.
Verändert die Zeit
Leer die großen Becher
der durstigen Zecher
Kein Streit mit der Zeit
Ohne Freud und ohne Leid
Die Zeit geht auf – die Zeit geht ab
Sie hält uns alle angenehm in Trab
Noch schneller können wir nicht mehr

65
und hinken häufig hinterher.
Das Leben trägt sein schönstes Kleid,
besteht nur aus geschenkter Zeit,
und eine Kette, lang und weit,
und jedes Glied ein bisschen Zeit.
Es nimmt uns mit, ein kleines Stück.
Einmal nach vorn, manchmal zurück,
für den der die Zeit mal überschreitet,
hat sie die Arme ausgebreitet.
Und schneller noch als Flug und Schall,
zerplatzt die Zeit als heller Ball,
mit einer Hand die wir mal schnell ergriffen,
hat uns die Zeit zurückgepfiffen.
Nichts ist mehr wie es vorher war.
Ab sofort geht die Sonne nur noch im Westen auf.
Im Norden hält sie Mittagslauf.
In der Wüste knattern wieder die Mörser.
In Städten rattert wieder die Börse.
Gewinner – Verlierer, ist eh egal.

66
Der schmale Pfad ist eh sehr schmal.
Gläser krachen – halbvoll, halbleer – Scheißegal.
Im Süden geht die Sonne unter,
im Osten ist sie nicht zu sehen.
Schmetterlinge fallen von den Bäumen.
Äste weinen klebriges Harz.
Die Sonne reist von Wolke zu Wolke,
reist von Staub zu Staub.
Wenn die Blumen wieder blühen,
tote Hasen düngen die Felder.
Die Nacht schreit ihre Balladen
auf die Notenblätter der Seelen
die in den schwachen Körpern
der Überlebenden abgelegt wurden
Keine Fuge verlässt die müden Räume
die von Sehnen gehaltenen Knochen
deren Haut wie Trommelfelle
die schwachen Gebeine bespannt
Noch hält der Atem die schwachen Gedanken
tief in der schwindsüchtigen Lunge

67
ein kleiner Husten nur und schon
geht die Masse der Gefühle ins Leere
Immer noch im tiefen Dunkel der Nacht
schreit das verlorene Herz zum Himmel
es ruft die Geister von den Ketten los
damit sie dem letzten Überlebenden dienen
Das große Schiff das die Meere des Körpers
mit weiten Segeln hart im Wind durchkreuzt
navigiert am Stern des Südens Cap Horn
und segelt mit metaphysischen Gedanken hinaus
Noch schreit die Nacht ihre sanften Balladen
die Engel lenken das Schiff hinaus
auf das unendliche Meer der Unkenntnis
bis zur äußersten Grenze am Horizont
Gebrochen ist der Damm
geflossen ist was fließt
das es zusammentreibt
das Schwefelfarbige und das Schmutzige
und mancher Fisch
der hier im Trüben treibt
Heißt Karpfen oder Hecht

68
Gebrochen ist sein Herz: zweimal
Geflossen ist sein Blut ins Morgenrot
- ist von Natur her flüssig!
Steh auf! Steh auf!
Es schwimmt die Hoffnung
Man wird uns fragen:
geht`s noch gut?
Wir laden Gäste ein!
So mancher der geht fort
nur noch Einer bleibt im Sumpf


Die Gewalt spricht noch einmal:
ihrer Stimme entnommen
sprechen wir für alle
Du und ich, und nur wir Beide
Haben gelernt vom Reden und Schreiben
Mit unserer Sprache zu Zeichnen
Wir - Beide Wissen von den Ansprüchen
Wenn wir den Mund öffnen
Können nicht: Nicht antworten
Wenn wir mit den Worten verwunden
Mit unseren Zungen züchtigen

69
Mit der infektiösen Rolle der Sprache
Wir verletzen die Ansprüche des Anderen
Wenn wir den Mund auftun
Und uns der Schrei der Opfer verfolgt
Rechtfertigen wir mit unserem Schreiben
Und begeben uns in Komplizenschaft
Wir trennen uns von den Barbaren
Wir trinken das Blut aus kleinen Kinderschuhen
Blond deine schönen kirschroten Zöpfe
Dein weißer Mund mit deinen gespaltenen Augen
Im schmutzigen Heilbad der blutenden Tränen
Du und ich, wir Beide wir haben gelernt
Haben gelernt vom Reden und Schreiben
Mit unserer Sprache zu zeichnen
Rohes Fleisch in den Abfallgruben voller Phantasien
Fließen durch die Fleischmaschinen jedes nackt für sich
Wie die Bilder die ohne Schildern still sind
Füllen sie weiter alle Geschmackskondome
Du und ich, wir beide wir haben gelernt
Haben gelernt vom Reden und Schreiben
Mit unserer Sprache zu zeichnen
Wir trinken das Blut aus kleinen Kinderschuhen

70
Bleiben deinen wahren Träumen treu
Nur die Schatten an den Decken wissen
Ist es die Sonne oder der Mond der hier entbindet
Wir beide wissen von den Ansprüchen
Wenn wir den Mund öffnen Können nicht: nicht antworten
Retten wir den brennenden Bankrott freiwillig
Lesen wir die Zeichen auf den sterbenden Körpern
Die wir ein Letztes Mal fertig schminken
So meine kleine Taube nun beachte den Falken
Wenn wir mit den Worten verwunden Mit unseren
Zungen züchtigen
Mit der infektiösen Rolle der Sprache
Wir trinken das Blut aus kleinen Kinderschuhen
Alle Bücher die darüber berichten verbrennen wir
Asche von unserer Asche düngt diese Welt
Feuerwerke verbrennen den Himmel
Wir verletzen die Ansprüche des Anderen nur
Wenn wir den Mund auftun
Und uns der Schrei des Opfers verfolgt
Falten wir die Bilder die unsere Iris erblickt
Nur die vergangene Zeit wird die Seiten schließen
Von Liebe schreiben wir einen neuen Band

71
Der sittlichen Begierden der Kulturmenschen
Dies alles zu rechtfertigen mit unserem Schreiben
Und begeben uns in Komplizenschaft:
Wir trennen uns von den Barbaren
Wir trennen uns von den Barbaren
Wir trennen uns von den Barbaren
Wir die wir nicht sind die wir alle einmal waren
Wir die wir sind die wir immer waren
Wir die wir töten was uns tötet
Wir die wir verschweigen was uns tötet
Wir die wir töten was uns verschweigt
Wir die wir ohne Nachsicht und ohne Hinwenden
Wir die als Würger würgen aus unverdauter Gewalt
Wir kennen und wir erkennen uns im Angesicht
Wir fallen mit unserm Engel in die tiefsten Abgründe
Wir erwarten des kommenden Gottes
Wir schweigen um nichts zu Vergessen
Wir töten aus Angst vor dem Frieden
Wir verletzen die Ansprüche des Anderen

72
Wir trennen uns von den Teufeln
Wir trinken das Blut aus kleinen Kinderschuhen
Wir werfen zum Henker die Münze um Zahl oder Kopf
Wir sprechen täglich von Schuldig und Schuldig
Wir schreien den Schmerz aus den Bildern
Wir werfen die Schatten auf lose Blätter
Wir köpfen die Köpfe der Kahlen
Wir scheren die Schatten der Gerichteten
Wir vollenden die klugen Sätze
Wir tragen das Salz auf unseren Zungen
Wir brennen auf Platten all unser Vergessen all unser
Vergessenes
Wir kämpfen innen und außen
Wir atmen die faulige Luft
Wir verkaufen uns an die Meistbietenden
Wir zeigen uns in den Schaukästen
Wir urinieren weiter in die Finsternisse
Wir liegen in künstlichen Betten begraben
Wir verschenken unsere Uhren den Toten
Wir schreien im Sommer am Meer
Wir ersticken die noch schreien nach Leben mit
Worten
Wir legen die Gedärme in Gläser mit Spiritus
Wir fressen noch während wir reden
Wir beklagen die menschlichen Zeiten

73
Wir vergessen die althergebrachteren Zeitpunkte
Wir töten nun auch den Himmel über uns
Wir tragen Munition zu den Waffen in den Tüten der Kaufhäuser
Wir sammeln in Kirchen für Waffen des Friedens
Wir sammeln die Waffen in Kirchen des Friedens
Wir schließen als Taube die Ohren vor jeder Taubheit
Wir sparen das Geld für alles Sterben in Krippen
Wir teilen den Staat unter Armen die uns Reichen
Wir verletzen die Ansprüche der Anderen
Wir verletzen Ansprüche des Anderen
Wir leben in der Gewalt der Sprachen
Wir formen Gewalt zu Gewaltsamen zu Samen der Gewalt
Wir sind ausgesetzt unserer Haut die wir nie verlassen
Wir können uns des Leibes nicht befreien
Wir sind doch nicht alle Menschen Nein wir sind nicht alle Menschen
Wir verletzen uns durch unsere Zungen
Wir sagen Krieg und auch Folter und Gewalt für Alle und Jedes
Wir sind nicht verletzbar sind nicht verletzt
Wir erlernen Gewalt ohne Spuren zu hinterlassen

74
Wir sind alle Opfer und Täter immerzu alle gleich alle Mörder
Wir reißen das Wort wider Willen mit Gewalt aus uns aus
Wir tanzen und lachen sind fröhlich und künstlich und kotzen
Wir verfolgen noch immer die Sklaven bis in die Schiffe
Wir haben gelebt und geliebt ehe wir alle geboren
Wir hatten noch viel Zeit in meinen Augen in deinen Augen
Wir sind zum Sterben vermählt bis zuletzt vertraut
Wir kamen wie wir gegangen unsere Kleider hingen am Kreuz
Wir aber hingen bereits am Haken lagen in den Öfen
Wir alle waren immer da und ewig
Wir alle brauchen keinen Schierling und keinen Sprung vom Turm
Wir sind das Volk unter Kakerlaken: Wehrlos und Wahllos
Wir lieben die Gräber wie die Strände wie alles in Sand und Staub
Wir wissen nicht ob wir jemand vertrauen können nicht irgendeinen
Wir sind dein Gott dessen Haut ich alle nicht entkamt

75
Wir wissen nicht in welcher Sprache wir noch denken müssen
Wir wollen uns doch gegenseitig töten und beerben
Wir schärfen die Klingen die wie Gedichte klingen
Wir bleiben zu Hause wo Geschichten und der Kaffee besser
Wir schreien vor der Welt die so beschissen wie sie ist
Wir haben nur den Pfurz dazu mit vollgefressenen Bäuchen
Wir haben diese Welt doch selbst gewählt so wie sie ist
Wir aber die uns zu den Guten zählen sind uns genug
Wir brauchen nichts mehr als uns selber Bier und Wein
Wir wenn dann ab und zu die richtige Sonne scheint
Wir haben dann vom Leben mehr als das uns je erwartet
Wir tragen im Herz die alten Kämpfe
Wir dienen den alten Philistern
Wir schlagen mit Messern die gleichen Narben
Wir haben weniger Angst vor Gewalt als vor der Einsamkeit
Wir kommen nicht von den eigenen Alpträumen los
Wir kennen nicht den Sitz des Bösen

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Wir können vor Intelligenz nicht mehr sprechen
Wir schrien uns alle aus einer Mutter
Wir husten uns alle in die bekannten Stellungen
Wir stecken uns an mit Biografien
Wir infizieren uns mit neuen Gedichten
Wir springen nackt von fahrenden Geisterzügen
Wir würgen uns selbst aus Bewusstsein zum Schein
Wir sind nicht die verletzten im Glauben
Wir tragen nicht die Male an unserem Körper
Wir verlassen mit unseren Gedanken alles Schöne
Wir sind nicht gerecht wir sind Mörder
Wir haben ein Recht auf Gewalt von Natur
Wir Verfolgen den Täter mit unseren Schreien
Wir stoppen durch Sprechen die Kriege
Wir können uns der Gewalt nicht verweigern
Wir verweigern die Sprache dem Leib
Wir stehen nackt auf Altären wenn wir frei wären
Wir sind nicht beherrschbar im Tod
Wir empfinden keine Gewalt – Wir sind alle schon Tot
Wir Treiben und Treiben und Treiben
Wir in schwammigem Felsengarten harter Gedanken

77
Wir in trägem Schleim, zähfließend der über die Stufen rinnt
Wir eilen von Kammer von Kammer zu Kammer
Wir in schwammigem Felsengarten harter Gedanken
Wir irren mit unseren Gedanken zum Licht
Wir stehen im Elend des Himmels
Wir zählen nicht in der Wissenschaft wir – Staunen
Wahnsinn, beginnender Wahnsinn mit Fußmarsch von Bordeaux
mit eingeschlossenen Gedanken in einem Turm in Nürtingen
Wir in schwammigem Felsengarten harter Gedanken
Der Andere: - kein Gedanke vor Schmerz
er erstickt am eigenen Kotz
Das Leben selbst, nicht der gedruckte Text
- wird uns zum Drama –
Wir in der Musik, im Klang nicht in den Noten
Vom Schönen unserer Gedanken geht das harte, das
Hässliche aus
und fürchtet ausgesaugt zu werden für das ewige Leben
Wir in schwammigem Felsengarten harter Gedanken
was aber alles irrt der Gedanke zum Licht
Wir irren mit unseren Gedanken zum Licht

78
Es reißt das Wort im Schmerz Dem Anderen
entsprochen
Zurück, dort wo der Mensch gebrochen
In seiner Haut so ausgesetzt dem Leib
Dem er verbunden, Jäh entleibt Befragt so mit Gewalt
zum Sprechen
Verschärft – VERNOMMEN – bohrend
Die Antwort bleibt Nur Reine Form Von seinem
Körper schon entleibt
Hat er gesprochen, gegen seinen Willen
Entkommen wird er nicht der Haut – Und auch der
Tod wäre viel zu leer.
Der Welt dies Opfer: geht dies Opfer verloren
Entgegen dem Willen sein Wort entrissen
Es wird erzwungen für seine Welt, Zurück, wo
Mensch, erst wird der Hilferuf
Erzittert Körperschrei die Kehle Und ausgesetzt von
Haut und Leib
Die Ohnmacht glaubt der Stimme nicht
Ein Schmerzensschrei dem Peiniger folgt
Der Schmerzensschrei entspringt dem Zeichen
Durchbricht die Ordnung und befreit, Gibt Antwort
bloßer Haut des Leibes
Lebendig seiner Welt beraubt - Und willenlos dem
Schmerz entrissen.

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Wir beide haben gelernt vom Reden und Schreiben
Wir zeichnen mit unserer Sprache
Wir öffnen den Mund und können nicht mehr reden
Wir verwunden mit unseren Zungen
Wir öffnen den Mund und schlucken die Schreie der Gefolterten
Wir Beide Wissen von den Ansprüchen
Wir verletzen die Ansprüche des Anderen
Wir trennen uns von den Barbaren
Wir trinken das Blut aus kleinen Kinderschuhen
Die Gier, der Ekel
was du kriegen kannst
Die Freude
es ist immer das Leid das wir lieben
Freude – Leiden – Lieben
Unfähigkeit der Freude
In uns ist Angst, Hass und Zorn

80
Wir haben alle nur Angst, darum sprechen wir.
Wir wissen nichts und was wir nicht wissen
können, erklären wir als erkannt.
Wir ignorieren das sokratische Nichtwissen. Wir
überleben im Nachdenken.
Die Fähigkeit des Menschen beruht nicht auf
der Fähigkeit: was kann ich wissen,
sondern auf der Fähigkeit: was kann ich vergessen.
Reich sein nur noch aus Furcht. Arm sein nur
noch aus Mitleid.
Dichter sein aus Erbarmen und Schaudern.
Es ist das Schauderndmachende und
erbarmungswürdige Geschehen
gegen übliche und gewöhnliche Erwartungen.
Alle und Alles ist schwach, drinnen wie draußen.
Freude – Leiden – Lieben
Die Menschen meiner Generation sind voller
Schuld und Angst
Plötzlich als Affen zu gelten oder sich in
Ungeziefer zu verwandeln

81
Ungebrochen in allen Gedanken und
Gedenken der Vermischung von Schmutz
verschiedener Qualitäten
Hass - kommt mir entgegen und jedem lauf ich hinterher;
diese toten Mäuler die mir entgegenkommen?
Draußen ist alles Tot wenn drinnen alles blüht.
In meinen inneren Städten halte ich den Frühling.
Was habe ich die Menschen geliebt und heute
kein gutes Wort
Nur in meinen Träumen werden aus Menschen
Blumen und aus Steinen Worte.
Kein Wort kommt mir entgegen. Jedem laufe ich hinterher.
Zorn - der in hartem Boden wächst der dort
liegt und treibt
Von keinem Windhauch je berührt
Fühlt seine Erde fühlt nicht die Welt
Baum der stets frische Blätter treibt, krallt sich fest
in hartem Lehm
Nur für sich, verhärtet und vergrämt im Boden, wenn
nach kräftigem Regenguss

82
er beweint wozu darauf die Sonne scheint, dann tanzt
ein Wind vorbei
Freude – Leiden – Lieben

Haben wir noch Hoffnung?

83
Nur eine Generation?
Gestorben?
Das Leiden
Mehr Leiden, wir müssen mehr Leiden!
Ein besseres, schöneres Leben, ja vielleicht im
Paradies das bleibt unser Wunsch?
Wer hat uns dies nur eingeredet, dass wir uns
dies zu hoffen wünschen?
Der Mensch hat seinen Gott nie gefunden.
Darum kann er so sein wie er ist, er darf so sein
und er muss Leiden.
Seit unserer Geburt müssen nicht nur die
Gebärende leiden, nein auch wir werden leidend
geboren und schreien zum Himmel.
Ja, sind wir nunmehr aller, ja, jeder Arbeit los
das wir von allem werken, was klein ist und das was groß
verlieren in dem großen Spiel, was früher Schweiß und Fleiß
das heute uns genommen, was gestern noch Geheiß
wir sind doch alle eins und jeder nur für sich.

84
Das Brot wird schlecht verteilt, an einem leeren Tisch
und standen wir soeben noch Hand in Hand am Joch
so ist der Job geflogen,
Veränderung in anderem Land
Tränen hart wie Wasser rollt das bunte Band
Mehr Leiden
In Ansicht des Blutes
rücken wir enger zusammen
öffnen die Wasserhähne
spülen das Blut in die Abflüsse
Die offenen Wunden können wir nicht stillen
die Zeichen der Stigmata nicht verbinden
aus Augen fließt das Blut
Hände und Füße schmerzen
Kriege brennen sich in unser Fleisch
bei jedem Wetter kämpfen die Einzelnen
von hohen Bergen überblicken wir alles
und erhalten die neuen Gebote
In Ansicht des Blutes

85
rücken wir enger zusammen
wir nehmen jedes Opfer an
auch das Blut aller Bäume
Die geköpften Hähne
die zerrissenen Tauben
die geknickten Zweige
bluten für den Frieden
ohne das blutende Leiden
fehlen uns die Symbole
die uns als Menschen
Zusammen führen in Fleisch und Blut!
Weinen der leidenden Sonne
halten wir nicht mehr auf
es streifen ihre Tränen
noch immer unsere inneren Schichten
Weint sich bedeutungsvolle Löcher
in ihr ausgefülltes goldenes Gesicht
es gibt keine Worte für Dichter
zu trösten und ihre Leiden zu hindern
Unzählbare Horizonte unter gläsernem Himmel
Sandwüsten inmitten sengender Hitze

86
laden die Sonne auf die Postkarten
unmöglich alle ohne Leiden zu beschreiben
Weinen der altersschwachen Sonne
halten wir nicht mehr auf
wie tief geht noch unsere Trauer
wenn wir uns nicht mehr offen zeigen
Wir leiden, also ich leide
Das Drama schweigt
Die Romantik scheint ratlos
Die Tragödie beginnt
Es beginnt die Lyrik
Ich, du, er, sie, es, wir, ihr, sie leiden
Freude – Leiden – Lieben
Es jammert die Poesie
Tränen fallen aus ihren Zeilen
Geboren und beerdigt wird immer
Wer leidet lebt
Wer seine Villa einzäunt
Eröffnet sein eigenes Guantanamo
Poesie und Dichtung haben sich lange aus der Kunst verabschiedet
Kein Ergötzen
Kein Belehren

87
Kein Platon, kein Horaz, Es ist vollbracht
Wir belehren nicht – Platon belehrt nicht
Wir nützen nicht – wir erfreuen nicht
Nach der Aufklärung nutzt jeder den Verstand
Hieraus entscheidet jeder selber
Was nützt und was erfreut
Auch wenn das Unnütze nützt
Wenn das Böse erfreut
Jeder schreibt seinen eigenen Grabstein
Jeder legt seine eigenen Steine auf sein Grab
Es gibt bald keine Steine mehr
Alle Steine werden zu Sand
Werden wir zu Staub
Weniger Gleichheit
Formen, Formen der Gedanken, Formen der Sprache,
Soziale Plastik leben formen gestalten
Plastik als evolutionärer Prozess
Weniger Gleichheit,
Ich bin enttäuscht
Ihr habt mich enttäuscht
- Mich könnt ihr nicht mehr täuschen
Ausbeutung von Begabteren wäre verträglicher

88
aber nicht von Hemmungsloseren oder Glücklicheren
Ich entspreche mir, werde leer, nur im Namen
eines kehre ich zurück,
erschaffe Welt mit meiner Schöpfung Gemeinschaft
Ihr aber die ihr noch lebt
Euch trifft mein Hass glühend.
Ihr lebt und wisst nicht mal
warum. Ich aber starb schon längst. Vor euch
mehrmals. In der Inskription dieses Grabsteins.
Das Grab ist leer, das Tote lebt
Was aufstieg ist euch längst entflohen
Nur mit Namen, den ihr singt
schafft ihr das Gemeine
mit eurer Gemeinschaft
Ausrufer Zwischenrufer aus dem Publikum: Valerio
Haben wir noch Hoffnung?
Nur eine Generation?
Gestorben?

89
Die Freude
Weniger Freude es war der Freude genug!
Dieses ewige freuen dieser ewige Spaß!
Unsere ganzen Freuden und alle Versprechungen.
Nein, wir leben nicht zum arbeiten, wir arbeiten
zum Leben. Welcher Unsinn. Wir arbeiten immer!
Alle! Wir arbeiten und arbeiten, arbeiten an
unserer Freiheit. Unsere Freiheit heißt Arbeit.
Und ohne Arbeit benötigen wir alle Freiheit eine
Arbeit zu erarbeiten. Die Mühle in der wir uns
ständig drehen heißt: weniger Freude. Und diese
wenige Freude erreichen wir nur ohne Geld. Alles
Geld das wir uns erarbeiten um uns damit Freude
zu erkaufen zerfließt in eine Erlebniswelt die nur
zur Existenz anderer aufgebaut wurde, nicht zu
unserem Vergnügen.
Weniger Freude, wir hatten bereits viel zu viel Freude
Des Lebens Freude sah ich kommen.
Kommen und gehen und kommen.
Die Tür war stets vor mir,
- war nie verschlossen.
Wenn der Türgriff sich beugte

90
und aufbrach einen Spalt nur die Türe,
dann sah ich Kommen, kommen und gehen.
Als ich aber alleine im Raum,
atmete ich ein, tief. Das sich die Lungen
füllten und ließ dem Raum:
den Atem den er brauchte –
und nie die Tür im Auge
verloren: noch das ein Lid sich
senkte, im Sekundenschlaf.
Des Lebens Freude, die unendlich
hinter dieser Tür zum Meer
begegnet diesem Raum, sehe
ich mal sanft und dann im Sturm.
Ruft, komm, hier ist es schön.
Freude sah ich stets vor mir
und draußen allerlei Getier.
Die Unwissenheit
Mehr Unwissenheit,
ich weiß dass ich nichts weiß und das ist schon zuviel!
Verstand? Wer redet von Verstand?

91
Wer hier ist mit Verstand der trete vor
oder verstecke sich hinter seinem Verstand!
Lehrer - Ja, immer diese Moral, tu dies, tu das!
Aber Verstand? Verstand wird blockiert von der Moral
Jeder der meint er hat Verstand hat auch Moral!
Wir alle von dem andern Glauben
können nicht zurückschlagen
Allem Unwissen. Nicht mehr hörend
Diese Gedärme, diese Blutströme
in mörderischen Träumen
ruhend, in uns. Hinein sehend
Unverdauliches – Nicht –
mickrig und riecht dazu
Wir alle von dem andern Glauben
können nicht zurückschlagen
Dienend verschiedene Wörter
Duftmoleküle im Reflex
unverarbeitbar im orientierungslosen Fall
aber ich, ein leeres Herz
Richtet sich die Welt nach meinen Worten
kein Geld, nur meine Seelenruhe
dieselben Sklaven im Nachkriegsrom
mit aller Macht

92
Wir alle von dem andern Glauben
können nicht zurückschlagen
dem Natürlichen und künstlichen
gut und böse, dumm und gemacht
sinkend, rutschend unverarbeitbar
Bilder herstellend Inszenieren zum kompromittieren
Den Machtpraktiken zusehen
Ich tauche auf aus meinen Niemandsschichten
Ich tauche auf aus Herz und Kopf
alles was mir noch fehlt
drei, zwei, eins – meins
Was ich mir nicht kaufen kann
dies bisschen Verstand
was ich mir nicht kaufen kann
dies bisschen Liebe
was ich mir nicht kaufen kann
das zwischen dir und mir
das was wir „mitmenschlich“ nennen
Wir alle von dem anderen Glauben
können nicht zurückschlagen
In meinem Elternhaus hingen keine toten Schweine

93
wurde auch kein Krieg gespielt
alles bürgerlich, alles spießig
Ich tauche auf aus den Niemandsschichten
Ich tauche auf aus Herz und Kopf
all diese Krankheiten auf der Haut
mit Worten zuschmieren wie mit Salben
diese syphillistischen Krankheiten
des Genius poetica zwischen uns
immer neu infizierend
Landschaften zwischen Erzählenden und Hörer
unter dem Mikroskop – Monaden –
Schichten um Schichten alles Geschichten
Verstand, Liebe und Mitmenschlichkeit
alles Leichenschauhaus, alles pathologisch
Wir alle von dem anderen Glauben
können nicht zurückschlagen
Ausrufer Zwischenrufer aus dem Publikum: Valerio
Haben wir noch Hoffnung?
Nur eine Generation?
Gestorben?

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Angst die fühlt man immer, das ist was jeder weiß!
Wir haben nur Angst, darum sprechen wir.
Wir wissen nichts, und was wir nicht wissen können,
erklären wir als erkannt.
Wir ignorieren das sokratische Nichtwissen.
Wir überleben im Nachdenken.
Die Fähigkeit des Menschen beruht nicht auf der
Fähigkeit: was kann ich wissen,
sondern auf der Fähigkeit: was kann ich vergessen.
Reich sein nur noch aus Furcht.
Arm sein nur noch aus Mitleid.
Dichter sein aus Erbarmen und Schaudern.
Es ist das Schauderndmachende und
erbarmungswürdige Geschehen
gegen übliche und gewöhnliche Erwartungen.
Alle und Alles ist schwach, drinnen wie draußen.
Schuld, überall herrscht Schuld!
Die Menschen meiner Generation sind voller Schuld und Angst
plötzlich als Affen zu gelten oder sich in
Ungeziefer zu verwandeln

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ungebrochen in allen Gedanken und Gedenken der
Vermischung von Schmutz verschiedener Qualitäten
Die toten Mäuler die mir entgegenkommen?
Draußen ist alles Tot wenn drinnen alles blüht.
In meinen inneren Städten halte ich den Frühling.
Was habe ich die Menschen geliebt und heute kein
gutes Wort
Nur in meinen Träumen werden aus Menschen
Blumen und aus Steinen Worte.
Kein Wort kommt mir entgegen.
Jedem laufe ich hinterher.
Zorn ist ein Appell der keinen Widerspruch duldet
der in hartem Boden wächst der dort liegt und treibt
Von keinem Windhauch je berührt
Fühlt seine Erde spürt nicht die Welt
Baum der stets neue Blätter treibt
krallt sich fest in hartem Lehm
Nur für sich Verhärtet und Vergrämt im Boden
wenn nach kräftigem Regenguss
er beweint wozu darauf die Sonne scheint
manchmal tanzt ein Wind

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Der Mensch hat seinen Gott nie gefunden. Darum
kann er so sein wie er ist, er darf so sein und er muss
Leiden. Denn wenn dieser Gott da wäre, dann würde
dieser ihn heilen.

Haben wir noch Hoffnung?
Nur eine Generation?
Gestorben?
Zum Hasse, nicht zur Liebe bin ich
Die Rettung kommt:
Nichts ist mehr
Kein Ereignis auf der Welt
Ein Krieg ? Na Ja, wie immer!
Ein Konflikt? Na Ja, wie immer!
Irgendwo die Influenza. Na Ja, wie immer!
Doch hier und da ein Streit und etwas Diskussion
Keine Gespräche, kein Sprechen, keine Worte
Was zerstört
Bauen wir auf
Mit etwas Lärm und Staub
Sagen wir einmal: Atomwaffenstreit

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Sagen wir Gefängnisse:
Die Menschen meiner Generation sind voller
Schuld und Angst
Plötzlich als Affen zu gelten oder sich in
Ungeziefer zu verwandeln
Ungebrochen in allen Gedanken und Gedenken
Die Vermischung von Schmutz der
verschiedenen Qualitäten
Der Dichter sagt:
Hassen ohne eine Hoffnung
Kein Gott ist im Himmel seit wir den Verstand benutzen,
empört über die Vergangenheiten
geknechtet der Vorfahren
Unbefreit der Enkel
Der Glaube an einen Himmel ist tot
Das Volk ist satt der asketischen Geduld
Elend schreit
Es ruft die Ekstase
Wo bist du Liebe
Freude – Leiden – Lieben
Es lebe der Dichterkönig

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der Dichter als „ für die Gegenwart des menschlichen
zeugende Majestät des Absurden“
Als Dichtermensch, einer Gestalt, einem „ICH“
„Es lebe die Liebe“
Die Liebe sagt:
Es gibt keine Hoffnung
Wir lieben uns nur ohne Verstand
Gebären unter blutigem Kaiserschnitt
Es ist eine Langeweile im Gebären in der Geburt
Wir warten und hoffen auf Nichts
Die Hymne des Dichters ist Hass und Rache
Das Leiden sieht das
Leben ohne eine Hoffnung:
Manche Menschen haben eine Krankheit, die so selten
ist, dass sich die Entwicklung eines Medikamentes
nicht lohnt
Die Gier verlangt ein
Heißes und vorwerfbares Begehren
alles ist im Fluss
von Schmerzen verfolgt
nicht losgelassen,
Verfolgt

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Der Ekel ist der Branntweinhändler
Schwarz glüht eine Sonne am brennenden Himmel
Schreien die Engel als Kinder der Schlange
Schreit mir ein Lied
Schreit mit mir
Ekel ist die Ethik der Ästhetik
Kotzt nicht so ästhetisch
Die weite Öffnung des Mundes, Gähnender Rachen
Für euch hab ich mir den Arsch aufgerissen
Durch den geöffneten Muttermund
bin ich gekrochen, herausgespült
Nur kein Mitleid, bitte kein Mitleid
Mitleid ist etwas für Weicheier
Das Schöne wird gebrochen, geboren und stirbt
Wie der Dichter stirbt bei jedem Vers
Die Schmerzen der Geburt
Wessen Geschöpf hier ausgekotzt
Aus allen Mäulern
Aus euren Mäulern
Schreit mit mir ein Lied
Schreit mit mir
An was sollen wir noch glauben?
An was sollen wir glauben?
An die Liebe?

100
Wir müssen vertrauen
Wir täuschen uns oft
Das Schöne ist schon lange gestorben
Der Tod
Wir sind schon lange tot
Im Herzen längst gestorben
Das sich in uns, entfremdet
zurückgezogen hat das Leben
wobei wir, Gesamt zu Toten wurden
Wo ist der Sinn?
Wer löst das Rätsel?
Wen reizt die Deutung?
Wir sind schon lange tot
Im Herzen längst gestorben
Die Unwissenheit
Mehr Unwissenheit das fehlt uns.
Der Mensch strebt nicht nach Wissen, Nie,
Niemals!
Was er sieht, das weiß er und das reicht!
Warum reicht uns nicht das Lesen von Büchern,
warum wollen wir sie alle gleich besitzen,
sammeln, einreihen in unser Eigentum.
Reicht es uns nicht sie zu lesen?

101
Texte sind auch zu beziehen, müssen wir für
unser Wissen soviel bezahlen? Ist das Wissen
schneller und problemloser greifbar als das Buch
aus dem Regal.
Was wollen wir noch wissen? Fragen wir wieder die Dogmatiker.
Ist uns nicht der Beweis dass wir uns auf
richtigem, dem besten Wege befinden.
Was wollen wir noch wissen?
Alles? Wollen wir wirklich alle Dummheiten wissen.
Wissen dass ich nichts weiß, dieser weise Spruch
ist der Gipfel aller erreichbaren Erkenntnis. Es
gibt kein Wissen außerhalb der Sprache und was
wir sprechen wissen wir!
Was alles haben wir unserem Wissen zu
verdanken und wie weit sind wir mit unserem
Wissen gekommen.
Was haben wir erreicht mit unseren
Intellektuellen, ihrem intellektuellen Wissen.
Dem ewigen Lesen und Besseren Wissen. Sind
wir nicht wieder in die Höhle hinabgestiegen und
reden nun den Angeketteten zu, wieder
hinaufzusteigen zum Licht.
Platon würde dem zustimmen, vielleicht.

102
Und der gute Marx? Er war überzeugt der
Einzelne kommt nie zur Wahrheit. Es kommen
bessere Zeiten und eine Besserung ist nur über
die Allgemeinheit zu schaffen.
Nietzsche hingegen glaubte wieder an den
Einzelnen. An den Übermenschen. Und nun?
Wo sind wir angelangt?
Die Traurigkeit des Denkens (Sprechens)
Das Wichtige im Leben das den einzelnen ändert
und ein wenig glücklicher macht ist die Reflexion.
Der Mensch der reflektiert verändert. Aber wer
reflektiert? Viele sind mit dem Schönen zufrieden
( die meisten mit wenigem )
Wollen wir nicht weiter diskutieren und
reflektieren über Sprache und Gedanken zum
Würdevollen. Sei es in der Kunst reflektiert, sei
es in einer der Wissenschaften.
Das wesentliche im Leben des Menschen sind die
Probleme der Nahrungsbeschaffung und der
Wohnungsgestaltung.
Weiteres hat die Probleme des Menschen seit den
Höhlen bis zu den Wolkenkratzern nicht verändert.
Götter tauschen für neue Katastrophen.

103
Der alte Mensch veränderte nichts in allem
Sprechen und Schreiben.
>>Erkenne die Lage<<. Die Lage bestehend aus
vielen Schichten von Geschichte und Geschichten.
Und dieses Erkennen.
Fragen wir uns von was?
Von mehr Unwissenheit
Diese Lösung haben wir noch nicht durchgespielt.
Die Gleichgültigkeit
Indifferenz ohne zu werten, ohne Interessen, ohne Moral
Kein Urteil
Was schnuppe ist
Keine Gefühle, alles geht vorbei
Alles ist gleich gültig
Ohne einen Wert was keinen Wert besitzt
Die Dekadenz = der Banker
Verlust jeder Kultur
Stets geht es um eine Entscheidung
zwischen Untergang oder Rettung
durch irgendwelche heroische Taten
Wer wird sie vollbringen?
Wer wird sie begreifen?

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Wer wird auf großer Bühne das Preislied singen?
Verschwendung und Übermaß füllt die Geschichte
Schreit nach Gier
Die Freude ist das leichte Mädchen
Morgens, Kaffeedüfte
schöner Tage Vogelsang
es singt ein Sperling auf dem Brett –
„wie nett“
und herrlich ist der Morgen
Duschen, wenn Besucher vorüberhuschen
lacht die Sonne durch den Spalt
dieser Tag wird richtig
heute will ich fröhlich leben
abends noch den Ausklang geben
Mittags dann bei gutem Essen
trinken, rauchen nicht vergessen
doch was ich am meisten mag
ist ein schöner Nachmittag
eine schöne Zeit bereiten
in den Abend übergleiten

105
doch der Abend kommt daher
dieser Tag war mir zu schwer
Mehr Unwissenheit, Mehr Leiden, Weniger Freude
Warum reicht mir nicht das Lesen von Katalogen,
warum wollen wir gleich alles besitzen, sammeln,
einreihen in unser Eigentum.
Reicht es uns nicht sie zu lesen?
Texte sind auch zu beziehen.
Warum sind Bücher nicht Kulturgut und völlig
kostenlos zu erhalten?
Müssen wir für unser Wissen soviel bezahlen?
Ist das Wissen schneller und problemloser
greifbar als das Buch aus dem Regal.
Was wollen wir noch wissen?
Ist uns die Studie nicht der Beweis dass wir uns
auf richtigem, dem besten Wege befinden. Was
wollen wir noch wissen?
Alles?
wollen wir wirklich alle Dummheiten wissen.
Wissen das ich nichts weiß,
ich habe nicht das Intelligenz Gen
der Gipfel aller erreichbaren Erkenntnis.

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Was alles haben wir unserem Wissen zu
verdanken und wie weit sind wir mit unserem
Wissen gekommen.
Was haben wir erreicht mit unseren
Intellektuellen, ihrem intellektuellen Wissen.
Dem ewigen Lesen und Besseren Wissen.
Sind wir mit unseren Intellektuellen nicht wieder
in die Höhle hinabgestiegen und reden nun den
angeketteten zu wieder hinaufzusteigen zum Licht.
Viele würden dem zustimmen vielleicht.
Und der Einzelne kommt nie zur Wahrheit.
Es kommen bessere Zeiten und eine Besserung
ist nur über Allgemeinheit zu schaffen.
Man glaubt wieder an den Einzelnen. An
Übermenschen.
Und nun?
Wo sind wir wieder angelangt?
Wir haben nur Angst, alle glauben wir einem Übermenschen.
Früher starben wir wenn wir mussten.
Heute wissen wir Jahre vorher an welcher
Krankheit wir sterben und leiden.
Die Traurigkeit des Denkens des Sprechens

Das Wichtige im Leben das den einzelnen
ändert und ein wenig glücklicher macht ist die Reflexion.
Der Mensch der reflektiert verändert. Aber wer
reflektiert? Viele sind mit dem Schönen zufrieden
die meisten mit wenigem
Wollen wir nicht weiter diskutieren und
reflektieren über Sprache und Gedanken zum Erhabenen.
Sei es in der Kunst reflektiert, sei es in einer der Wissenschaften.
Das wesentliche im Leben des Menschen sind die
Probleme der Nahrungsbeschaffung und der Wohnungsgestaltung.
Weiteres hat die Probleme des Menschen seit den
Höhlen bis zu den Wolkenkratzern nicht verändert.
Götter tauschen für neue Katastrophen.
Der alte Mensch veränderte nichts in allem
Sprechen und Schreiben.
>>Erkenne die Lage<< Die Lage bestehend aus
vielen Schichten von Geschichte und Geschichten.
Und dieses Erkennen.
Fragen wir uns von was? Was hilft uns Wissen in der Liebe?

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Haben wir noch Hoffnung?
Nur eine Generation?
Gestorben?
Niemand ist freundlich
was verbergen sie
unter langen Gewändern
in tiefen Taschen
Nachts stehen Tote auf
Schattengestalten
Dein Vater heiratet deine Schwester
bevor noch einer fort war
Dein Vater ist dein Bruder
Deine Schwester ist deine Mutter
Alles ist Leben
Keine Natur, alles Leben
wie die auferstandenen Toten
bleibt es privat
Niemand ist freundlich
nicht einmal wo alles begann

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Haben wir noch Hoffnung?
Nur eine Generation?
Gestorben?
Nichts ist
Noch nicht das
In Wahrheit und Freiheit bedroht
Ist mir schleierhaft
Bleibt Angst
Ich finde nicht die Sprache
Relativ ist alles leer
Nichts ist
Und noch nicht das
Person Die Dekadenz
Es reicht, es ist genug!
Jeder ist seines Glückes Schmied.
Mein Haus, Mein Auto, Mein Pferd, Meine Frau, Mein Boot,
eins, zwei, drei, meins; das ist alles erkannt.
Aber es bestimmt nicht das Wohnen des Menschen!
Der Mensch ist voller Verdienst

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Die Angst sagt:
alles ist die Unfähigkeit der Freude
Die Schuld sagt:
wir müssen mehr Leiden
Der Hass meint:
wir leben in immer mehr Unwissenheit
Der Zorn spricht:
wir finden immer weniger Gleichheit
Die Liebe sagt:
Gefühle, wir besitzen keine Gefühle
Die Hoffnung spricht:
Es gibt immer ein Zurück
Geht mit euren Gedanken dorthin wo sie hergekommen
Es ist nichts das nicht in euch war
Vergesst, vergesst
Zum Hasse, nicht zur Liebe bin ich

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Man lebt, man stirbt, man ist tot
Der Magier ist tot!
Der Zauber ist zu Ende!

 

 

 

Copyright beim Autor: Manfred H. Freude 2009
Alle Rechte, auch das des auszugsweise Nachdruckes, der
auszugsweise oder vollständigen Wiedergabe, der Speicherung
in Datenverarbeitungsanlagen und der Übersetzung, vorbehalten.
All rights, including the reprinting of extracts, the extract or
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Printed in Germany.
Shaker Media Verlag
Manfred H. Freude
Machina – Die Rettung


Samstag, 13. Februar 2010

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